Zarentochter Mondenschein

"Stellt euch vor", erzählt Zarentocher Mondenschein beim Frühstück ihren Eltern, "stellt euch vor, heute nacht habe ich von einem Einhorn geträumt, von einem Einhorn mit einem glänzenden goldenen Horn auf der Stirn. Das stand an der Quelle im Wald, dort wo ich als Kind so oft gespielt habe. Und stellt euch vor: das Einhorn spricht mich an und sagt: "Komm zu mir!" - Also werde ich heute zur Quelle reiten!" Zar und Zarin schauen belustigt. "Träume sind Schäume mein Kind!" rufen sie wie aus einem Munde."Weißt du, Töchterchen Mondenschein, wenn man Träumen Glauben schenkt...", beginnt die Zarin, "weißt du, ich hatte zum Beispiel kürzlich geträumt, daß du, mein Tochterherz Mondenschein, einen Zarensohn heiraten wirst, der mitten auf der Stirn eine goldene Locke hat." Und die Zarin lacht laut auf: "Stell dir vor, eine goldene Locke mitten auf der Stirn!" Zar und Zarin halten also nicht viel von Träumen. Aber sie finden es schön, daß ihre Tochter nach langer, langer Zeit wieder einmal den Lieblingsort ihrer Kindheit aufsuchen will - diese Quelle im Wald.

Zarentocher Mondenschein weiß, daß Träume keine Schäume sind. Und wer träumt schon von einem Einhorn und noch dazu von einem, das sprechen kann! Sie wird auf jeden Fall das Einhorn bei der Quelle besuchen. Es hat sie ja zu sich gerufen.

Und schon schwingt sie sich auf ihr weißes Pferd, die Zarentocher Mondenschein, deren Haut silbern schimmert wie der Mond und die immer weißgekleidet geht. So reitet sie durch den Wald zur Quelle hin. Dort angekommen, steigt sie vom Pferd. Sie geht ein wenig hin und her, geht noch ein wenig hin und her und noch ein wenig.

Kein Einhorn ist zu sehn.Und sie steht und wartet und wartet. Fast denkt sie schon "Träume sind Schäume" und will sich zu ihrem Pferd umwenden und wieder nach Hause reiten. Da wird es auf einmal neblig und kühl. Und als sich der Nebel auflöst, da erscheint neben der Quelle das Einhorn, von dem sie geträumt hat. Das Einhorn mit dem glänzenden goldenen Horn auf der Stirn.Und sie spricht zum Einhorn: "Ich hab geträumt von dir!" "Ich hab geträumt von dir!" klingt wie ein Echo die Antwort des Einhorns. "Einhorn, hier bin ich! Du hast mich zu dir gerufen." "Gut, daß du deinem Traum vertraut hast, Zarentocher Mondenschein." "Einhorn, wer bist du, wo lebst du, was kann ich tun für dich?""Zarentocher Mondenschein, ich bin Sergéj, ein verzauberter Zarensohn, und du kannst mich erlösen. Komm morgen wieder und laß uns sprechen." Und schon ist das Einhorn verschwunden. Zarentocher Mondenschein reibt sich die Augen. "Habe ich geträumt?" fragt sie sich mit flüsternder Stimme. Sie schüttelt den Kopf, schwingt sich auf ihr weißes Pferd und reitet zum Zarenschloß zurück.Beim Abendessen erzählt sie ihren Eltern von ihrer Begegnung mit dem Einhorn. Zar und Zarin lachen. "Viel Phantasie hast du, Tochterherz Mondenschein. Aber schön, daß du wieder den Spielplatz deiner Kindheit aufgesucht hast", sagen sie und beginnen, von anderen Dingen zu sprechen. "Für meine Eltern sind Träume nur Schäume, also werde ich ihnen nichts mehr vom Einhorn erzählen", murmelt Mondenschein vor sich hin.Am nächsten Morgen schwingt sich Zarentochter Mondenschein nach dem Frühstück wieder auf ihr weißes Pferd. "Ich werde ein wenig durch die Welt reiten", ruft sie, und schon ist sie in der Ferne verschwunden. Und wo reitet sie hin? Wir ahnen es! Schon ist wieder bei der Quelle im Wald, schon wird es wieder neblig und kühl. Schon steht wieder das Einhorn bei der Quelle."Erzähle mir, Einhorn, weshalb du verzaubert worden bist." "Verzaubert hat mich der große Zauberer Anatóli - aus Neid und Haß."

Und das Einhorn erzählt ihr seine Geschichte. Zarensohn Sergéj hatte die Gabe, alle Welt zu bezaubern: wo er auch hinkam, jeder Streit wurde beigelegt, jegliche Trauer war wie weggeblasen, alle dunklen Wolken verschwanden, verlorene Dinge fanden sich auf wunderbare Weise wieder. Das war seine Wesensart, Zarensohn Sergéj war so sanftmütig, gesammelt und versöhnlich, daß er Frieden und Freude verbreitete, ganz so, wie die Sonne Licht und Wärme ausstrahlt.

Als der Zauberer Anatóli von Zarensohn Sergéj und dessen wunderbaren Gabe erfuhr, erfüllten Neid und Haß sein Herz. Und er sprach einen mächtigen Zauber und Bann über Zarensohn Sergéj, so daß dieser in ein Einhorn verwandelt wurde und in der Burgruine auf dem Hügel im Wald leben mußte. Nur die menschliche Sprache konnte Anatóli Sergéj nicht nehmen. Aber erstens, sagte er sich, gibt es ja gar keine Einhörner und zweitens gibt es Einhörner, die wie Menschen sprechen können, schon gleich gar nicht. Also soll er die menschliche Sprache ruhig behalten.

Und die Zeit vergeht und es sind jetzt schon drei Jahre vergangen, daß das Einhorn Sergéj ganz allein in der Burgruine lebt. Es wäre so gerne erlöst worden, und es hätte so gerne eine wunderschöne Zarentochter zur Frau gehabt. Es wünschte sich das immer mehr und mehr, und es dachte sich in die Träume von Zarentöchtern hinein - vielleicht würde er ja einer im Traum erscheinen und sie würde seine Botschaft erhalten. Und so kam es dann, daß es Zarentocher Mondenschein im Traum erschien. "Aber wie kann ich den Zauber Anatólis brechen?" "Komm morgen wieder und laß uns sprechen." Und schon ist das Einhorn verschwunden.

Beim Abendessen erzählt Zarentochter Mondenschein von tausend Dingen und denkt "für meine Eltern sind Träume nur Schäume, also werde ich ihnen nichts mehr vom Einhorn erzählen".

Am nächsten Morgen schwingt sich Zarentochter Mondenschein nach dem Frühstück wieder auf ihr weißes Pferd."Ich werde ein wenig durch die Welt reiten", ruft sie, und schon ist sie in der Ferne verschwunden. Und wo reitet sie hin? Wir ahnen es! Schon ist wieder bei der Quelle im Wald, schon wird es wieder neblig und kühl. Schon steht wieder das Einhorn bei der Quelle."Gern will ich dich erlösen, mein liebes Einhorn. Was muß ich tun?" "Um mich zu erlösen, sind drei Dinge nötig: der Ring von deinem Urgroßväterchen Dimítri, dem Waghalsigen, weiterhin eine Feder vom feuerroten Falken und schließlich das Zauberwort. Komm übermorgen wieder hierher und erlöse mich, Zarentochter Mondenschein."

Und schon ist das Einhorn verschwunden.

Als sie nach Hause reitet, denkt sie nach: "Der Ring von Urgroßväterchen Dimítri...?" Von ihm hatte sie schon viel gehört. Dimítri, gennant der Wagemutige, war wißbegierig und sehr gelehrt. Sogar Doktor Allwissend hätte noch viel bei ihm lernen können! Immer wieder brach er auf zu immer neuen Forschungsreisen. Das Regieren und Auf-dem-Thron-Sitzen war ihm zu langweilig. In seiner Abwesenheit übernahm immer seine Frau, die Zarin Mara, die Regierungsgeschäfte.

Eines Tages war Urgroßväterchen Dimítri verschwunden. Er kehrte von einer Forschungsreise nicht mehr zurück. Sein Sohn, Mondenscheins Vater, wurde der neue Zar. Niemand wußte, wo Dimítri geblieben war. Doch wie sollte Zarentochter Mondenschein den Ring von Urgroßväterchen Dimítri finden, wenn dieser doch verschollen war? Trug er seinen Ring nicht immer am Finger? Oder hatte er ihn vor seiner letzten Reise irgendwo zurückgelassen, irgendwo im Schloss? "Und wenn ich den Ring habe, brauche ich noch eine Feder vom feuerroten Falken - und dann noch das Zauberwort," überlegt sie.

"Wegen des Falken kann ich unseren Falkner fragen. Aber das Zauberwort?" Zarentocher Mondenschein überlegt und überlegt. "Anatóli hat den Zarensohn in ein Einhorn verzaubert, und ich will das Einhorn wieder zum Zarensohn zurückverwandeln, zurückverwandeln, zurück..."

In dieser Nacht hat sie einen Traum: Sie sieht die Sterne über dem südlichen Turm des Schlosses, dann sieht sie in einem der Turmzimmer, in der Gelehrtenstube, einen blauen Schimmer auf den Dielen.

Am Morgen denkt sie: "Ich habe ja von der Gelehrtenstube von Urgroßväterchen Dimítri geträumt, von dem Turmzimmer, in dem er, wie mir mein Vater erzählt hat, die Bahnen der Planeten beobachtete und seine Forschungsreisen plante."

Dieses Turmzimmer ist verlassen seit Jahren, es ist voll von Handschriften, Berechnungen, alten Landkarten... niemand in der Zarenfamilie hatte Interesse an diesen Dingen, so ließ man das Zimmer einfach einstauben.

Und noch vor dem Frühstück geht Zarentocher Mondenschein zu ihrem Vater und erzählt ihm – nein! sie erzählt ihm nichts von ihrem Traum! – sie bittet ihn einfach um den Schlüssel zu jenem Turmzimmer.Und schon ist sie dort und die Morgensonne fällt auf den Boden und da - ein blauer Schein. Sie bückt sich. In einer Ritze zwischen zwei Dielen, da liegt ein alter Ring mit einem blauen Stein. Sie steckt ihn sich an den Finger, und er paßt wie angegossen. Da beginnt vor dem Fenster ein Vogel zu singen:"Kiwitt, kiwitt, zurück, zurück!"

"Wie finde ich das Zauberwort?" fragt sie sich. "Der Vogel singt "Zurück, zurück" - vielleicht muß ich ja den Namen des Zauberers Anatóli rückwärts sagen!" Und als sie nun "ilótana" vor sich hinmurmelt, da stimmt der Vogel vor dem Fenster sogleich einen Freudengesang an. Und sie versteht, was das bedeutet.Jetzt fehlt ihr nur noch die Feder vom feuerroten Falken. Also geht sie zum Falkner des Zarenhofes und fragt ihn. "Ich kann dir sagen, wo du eine Feder vom feurroten Falken finden kannst. Man erzählt sich, er wohne auf der großen Ebene des Osten hinter dem großen Wald."Und schon bricht Mondenschein auf zu jener großen Ebene des Ostens. Sie reitet durch den großen Wald, und es wird Abend, und schon naht die Nacht. Da erreicht sie eine Hütte, wo eine alte Frau wohnt. Ihr erzählt sie die Geschichte vom Einhorn und vom Ring und von ihrer Suche nach einer Feder vom feurroten Falken.

Die Alte sagt: "Bleib über Nacht bei mir. Du wirst morgen den ganzen Tag reiten, immer geradeaus, immer der Nase nach, und gegen Abend wirst du zu einer Hütte gelangen, wo eine Freundin von mir wohnt. Auch bei ihr bleib über Nacht, sie wird dir weiterhelfen." So bleibt sie bei der Alten und bricht am nächsten Morgen in aller Frühe auf.Sie reitet durch den großen Wald, und es wird Abend, und schon naht die Nacht. Da erreicht sie eine Hütte, wo eine alte Frau wohnt. Ihr erzählt sie die Geschichte vom Einhorn und vom Ring und von ihrer Suche nach einer Feder vom feurroten Falken.Diese zweite Alte sagt: "Bleib über Nacht bei mir. Du wirst morgen den ganzen Tag reiten, immer geradeaus, immer der Nase nach, und gegen Abend wirst du zu einer Hütte gelangen, wo eine Freundin von mir wohnt. Auch bei ihr bleib über Nacht, sie wird dir weiterhelfen." So bleibt sie bei der Alten und bricht am nächsten Morgen in aller Frühe auf. Sie reitet durch den großen Wald, und es wird Abend, und schon naht die Nacht.

Da erreicht sie eine Hütte, wo eine alte Frau wohnt. Ihr erzählt sie die Geschichte vom Einhorn und vom Ring und von ihrer Suche nach einer Feder vom feurroten Falken.

Diese dritte Alte sagt: "Bleib über Nacht bei mir. Du wirst morgen losreiten, der Waldrand ist nicht mehr fern, und dort beginnt die große Ebene des Ostens, über die der Falke zu fliegen pflegt. Du wirst ihn herbeirufen mit den Worten:"Falke feuerrot, Zarensohn Sergéj ist in Not. Komm herbei und schenke mir eine Feder von dir."So bleibt sie bei der Alten und bricht am nächsten Morgen in aller Frühe auf. Sie reitet durch den roßen Wald, und gegen Mittag erreicht sie die große Ebene des Ostens. Sie ruft den feuerroten Falken herbei, der Falke kommt und läßt eine Feder fallen. Sie ergreift sie und dankt dem Falken. Und sie macht sich auf den Rückweg.In der ersten Nacht übernachtet sie bei der dritten Alten, in der zweiten Nacht übernachtet sie bei der zweiten Alten, und in der dritten Nacht übernachtet sie bei der ersten Alten. Und schließlich erreicht sie am späten Abend das Zarenschloß ihrer Eltern.Aber... Aber war sie wirklich eine Woche lang unterwegs, um die Feder des feuerroten Falken zu finden? Wie hatte sie sich von ihren Eltern verabschiedet? Wir wissen es nicht. Hätten sie es denn ihrem Tochterherz Mondenschein erlaubt, eine Woche lang ohne Begleitung durch die Wälder bis zur großen Ebene des Ostens zu reiten?

Wir wissen es nicht. Aber wir ahnen so manches!

Am Morgen erwacht Mondenschein, und sie und reibt sich die Augen. Die Sonne scheint in ihr Schlafgemach, und als sie sich in ihrem Bett aufsetzt, da liegt auf dem Teppich vor ihrem Bett eine feuerrote Falkenfeder.Beim Frühstück spricht Mondenschein mit Zar und Zarin über dies und über das, aber sie sagt nichts davon, daß sie heute das Einhorn Sergéj erlösen will. Dann schwingt sie sich wieder auf ihr weißes Pferd. "Ich werde ein wenig durch die Welt reiten", ruft sie, und schon ist sie in der Ferne verschwunden. Und wo reitet sie hin? Wir wissen es!

Schon ist sie wieder bei der Quelle im Wald, schon wird es wieder neblig und kühl. Schon steht wieder das Einhorn bei der Quelle.

Aber nein! Was ist denn das?Sieht sie recht? Sie reibt sich die Augen. Da stehen... da stehen zwei Einhörner bei der Quelle! Hat Sergéj einen Bruder oder Freund mitgebracht?

"Schön, daß du kommst, Zarentochter Mondenschein", sagt das eine Einhorn. "Schön, daß du kommst, Zarentochter Mondenschein", sagt das andere Einhorn.

"Wieso zwei Einhörner?" wundert sich Mondenschein."Ich bin Sergéj, das andere Einhorn ist Anatóli", sagt das eine Einhorn. "Ich bin Sergéj, das andere Einhorn ist Anatóli", sagt das andere Einhorn."Anatóli will verhindern, daß du mich entzauberst", sagt das eine Einhorn. "Anatóli will verhindern, daß du mich entzauberst", sagt das andere Einhorn.

"Einer von euch beiden ist Anatóli, einer Sergej. Sergéj gib dich mir zu erkennen!""Ich bin Sergéj", sagt das eine Einhorn. "Ich bin Sergéj", sagt das andere Einhorn.

"Nur einer von euch beiden kann Sergéj sein, und ich werde herausfinden, wer.""Ich bin Sergéj", sagt das eine Einhorn. "Ich bin Sergéj", sagt das andere Einhorn.

Mondenschein überlegt, wie sie Sergéj erkennen kann. "Man muß ihn bei seinem Stolz packen", überlegt Mondenschein. "Anatóli ist eitel und hält sich für vollkommen. Das ist sein schwacher Punkt."

"Ihr Einhörner, jeder von euch beiden behauptet, Sergéj zu sein. Doch nur einer kann es sein. Und ich weiß auch, wer.""Ich bin Sergéj", sagt das eine Einhorn. "Ich bin Sergéj", sagt das andere Einhorn.

"Anatóli mag zwar ein großer Zauberer sein, doch er ist nicht vollkommen", sagt Mondenschein und wiederholt: "er ist nicht vollkommen. Er hat vergessen, daß Einhörner ein rein weißes, fleckenloses Fell haben - das Einhorn Anatóli hat nämlich einen schwarzen Fleck auf dem Bauch, den man deutlich sehen kann."Blitzschnell senkt das eine Einhorn den Kopf, um sich auf den Bauch zu schauen. Dabei bleibt sein Horn im Boden stecken, und es kann den Kopf nicht mehr heben, wie sehr es sich auch bemüht. Und das Einhorn Anatóli beginnt fürchterlich zu schimpfen und ruft immer wieder aus: "So eine Blamage, Mondenschein hat mich überlistet. Mein guter Ruf ist ruiniert!" Dann gibt es einen großen Knall - und das Einhorn Anatóli ist verschwunden."Schlau bist du, mein Mondenschein!" sagt das Einhorn Sergéj. "Gut hast du das gemacht!" "Nun werde ich dich erlösen, mein Sergéj! Anatóli ist so gekränkt, daß er sich deiner Entzauberung nicht länger widersetzen wird."An ihrem Finger glänzt der Ring und sie berührt das Einhorn mit dem blauen Stein. Dann berührt sie es mit der feurroten Feder des Falken. Und schließlich spricht Zarentocher Mondenschein das Zauberwort "ilótana".

Und sie wartet.

Und sie wartet. Und nichts geschieht. Sie schaut das Einhorn an, das Einhorn schaut sie an. Beide warten, daß etwas geschieht. Da kommt ein großer Nebel und hüllt alles ein, und die Luft wird kühl.

Nachdem sich der Nebel aufgelöst hat, ist das Einhorn verschwunden, und an seiner Stelle steht ein schneeweißes Pferd neben der Quelle, auf dem ein schmucker Zarensohn sitzt, weiß gewandet, mit strahlendem Lächeln - und mit einer goldenen Locke mitten auf der Stirn.

Die beiden sehen sich lange an. Dann steigt Zarentochter Mondenschein auf ihr Pferd, und die beiden reiten zum Zarenschloß, und sie erzählen sich dies, und sie erzählen sich das."Mein Zar, ich bin Prinz Sergéj und möchte um die Hand Eurer Tochter Mondenschein anhalten. Ich war in ein Einhorn verwandelt und Eure Tochter hat mich heute erlöst." Der Zar ist sprachlos. "Also der Traum meiner Tochter... Ich faß es nicht, ich faß es nicht." "Ja, mein Zar, Eure Tochter hat ihren Träumen vertraut!"Sprachlos, mit offenem Munde, steht die Zarin da und starrt in einem fort auf die goldene Locke auf der Stirn Sergéjs. Dann schließlich findet sie Ihre Sprache wieder: "Ich faß es nicht, ich faß es nicht." Und sie wiederholt immer wieder: "Ich faß es nicht, ich faß es nicht."Mondenschein berichtet ihren Eltern nun von ihren Besuchen bei der Quelle im Wald und davon, wie sie das Einhorn erlösen konnte. "Die Träume, die Träume, ja, die Träume!" rufen Zar und Zarin im Chor aus, nachdem sie ihnen alles erzählt hat. Und schon wird alles vorbereitet zur Hochzeit. Und man feiert nicht nur drei Tage und drei Nächte. So leben sie in Saus und Braus, die Katze fängt die Maus, und wir – wir gehn nach Haus. Eins, zwei, drei - das Märchen ist vorbei.

 

ENDE



Klaus Roth, München, 28.03.2007

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